Kommen Sie ruhig etwas näher ...
Mein Name ist Aleksandra. Meine Freunde nennen mich Sascha. Ich bin fünfundzwanzig Jahre alt, mittelgroß, straßenköterblond und auch in jeder anderen Hinsicht durchschnittlich. Und ich bin eine Nutte.
Oder sollte ich sagen, ich war eine Nutte? Denn seit ein paar Monaten bin ich vornehmlich in anderen Bereichen tätig. Gelernt habe ich ursprünglich Bürokauffrau. Aber seit meinem achtzehnten Lebensjahr arbeite ich für den Valeska-Escortservice.
Valeska, das ist meine Mutter. Valeska von Skolewski. Das »von« hat sie sich zugelegt, weil sie es schick findet. Ich bin eine Nutte und arbeite im Escort-Service meiner Mutter. Mehr muss ich über unser Verhältnis nicht sagen, oder? Sie ist erst zweiundvierzig, sieht viel besser aus als ich und hat im Gegensatz zu mir keine Figurprobleme. Das macht es mir auch nicht gerade leichter, sie zu mögen.
Vor ein paar Monaten haben wir uns aus dem Escort-Geschäft zurückgezogen. Seitdem versuchen wir uns mit Aufträgen aller Art über Wasser zu halten. Neben Valeska und mir sind damals noch drei verkrachte Existenzen aus dem Escort-Service übrig geblieben.
Da ist zunächst einmal Kim. Ihr richtiger Name lautet Karin und sie hat zum ersten Mal vor etwa dreißig Jahren im tiefsten Oberbayern das Licht der Welt erblickt. Ihr Großvater mütterlicherseits war amerikanischer GI. Ursprünglich stammte er aus Hawaii. Mit ihren mandelförmigen Augen und ihrem pechschwarzen Pony sieht Kim wie eine Asiatin aus. Sie ist klein, schlank und gelenkig wie eine Artistin aus dem chinesischen Staatszirkus. Ihre Spezialitäten sind Lack und Leder, Ketten und Peitschen.
Einmal pro Woche telefoniert sie mit ihrer Mutter und läuft danach stundenlang mit verheulten Augen herum.
Meine andere Kollegin nennt sich Peggy. Sie ist gebürtige Tschechin und der Grund, warum ich nachts meine Zimmertür abschließe. Denn Peggy ist verrückt. Und wenn ich verrückt sage, dann meine ich nicht exaltiert oder ein bisschen Gaga sondern richtig geisteskrank. Sie lutscht Rasierklingen wie andere Bonbons und schnippelt damit an sich und anderen herum. Sie ist unberechenbar und völlig hemmungslos. Sie hat alles mitgemacht, was ihre Kunden von ihr verlangt haben. Dadurch hat sie sich das Ritzen erspart, sagt sie.
Dabei sieht Peggy ganz harmlos aus. Wie ein blondes Schulmädchen mit großen, staunenden Augen, Zöpfen und Kniestrümpfen.
Unser einziger männlicher Mitbewohner heißt Johannes. Johannes ist mein Cousin. Seit dem Tod seiner Mutter lebt er bei Valeska und ist gewissermaßen das Mädchen für alles. Insbesondere für alles, was fährt oder Strom frisst. Er chauffiert uns zu unseren Verabredungen und sorgt dafür, dass uns nichts zustößt. Johannes ist groß und unbeholfen und wirkt ein bisschen dumm. Das ist allerdings ein Trugschluß.
Johannes ist in mich verknallt, aber er ist mein Cousin. Das ist ein absolutes No-Go. Er ist für mich wie ein Bruder. Und er sieht aus wie ein Yeti.
Außerdem gibt es einen anderen Mann in meinem Leben. Er heißt Nick Bergmann, ist Kommissar bei der Fahndung und kann manchmal ein Riesenarschloch sein. Irgendwie kommen wir aber doch immer wieder zusammen.
Eine feste Beziehung mit einer Nutte kommt für ihn aber wohl nie in Betracht. Hatte ich schon erwähnt, dass ich meine Mutter hasse?
Den Konsul sollten Sie auch noch kennenlernen. Er ist ein netter älterer Herr, der sich ein bisschen um unser Agenturauftritt und unsere Auftragslage kümmert. Eigentlich ist er ja in meine Mutter vernarrt, und hätte, nachdem er jahrelang ihr Stammfreier gewesen war, gerne etwas Dauerhaftes mit ihr angefangen. Leider hat Valeska uns erwischt, als wir gerade ...
Ich gebe zu, ich hatte das arrangiert. Es war mein Geschenk zu ihrem vierzigsten Geburtstag. Seitdem hat Valeska uns beide nicht mehr lieb.
Agentur Valeska
Wir machen alles, solange es nicht weh tut
Glauben Sie bitte nicht, wir sind so etwas wie Charlies Engel. Wir können uns nicht besonders gut prügeln und wir haben auch keine herausragenden Fähigkeiten.
Allerdings sind wir vermutlich wesentlich besser im Bett ...
Der erste Agentur-Valeska-Thriller erscheint 2011